Bienenwirtschaft

Wer das Wort „Bienenwirtschaft“ hört, denkt vermutlich zuerst an Honig. Natürlich ist es korrekt, dass es sich bei dem Honig um das beliebteste Endprodukt der Bienen handelt. Aber eigentlich ist der Honig nur eines von vielen Produkten, die wir der Bienenwirtschaft verdanken. Insgesamt liegt großes wirtschaftliches Potenzial hinter der Bienenwirtschaft. Wollen wir doch einmal Licht ins Dunkel bringen, um die Bienenwirtschaft ein wenig besser zu verstehen.

Dem Honig auf der Spur

Der Honig ist dem Menschen bereits seit Jahrtausenden bekannt. Stets wurde es als Süßungsmittel eingesetzt. Heute ist diese Verwendung per Gesetz vorgesehen. In vielen traditionellen Überlieferungen jedoch kommt die Wichtigkeit des Honigs erst richtig zum Vorschein: Denn Honig ist ein wunderbares Heilmittel. In der heutigen Zeit spricht man von der Apitherapie. Allerdings werden in ihr nicht nur die heilenden Fähigkeiten des Honigs erforscht und eingesetzt, sondern auch die anderer Bienenprodukte.

So besitzt Honig etwa antibakterielle Eigenschaften, die sowohl bei der oralen Einnahme als auch bei der äußeren Anwendung zu Einsatz kommen können. Grund dafür ist die Zusammensetzung der gesättigten Zuckerlösung. Sollen diese Enzyme und die so genannten Inhibinen (die Stoffe, die die Entwicklung von Bakterien verhindern) vollständig erhalten bleiben, darf der Honig nur sehr kurz über 45°C erhitzt werden. Je höher die Enzymtätigkeit des Honigs, desto naturbelassener ist er.

Vierlfach ist nur der Mischhonig bekannt, der aus unterschiedlichen Honigsorten zusammengemischt wird. Er weist natürlich die gleichen Eigenschaften auf wie der so genannte Trachtenhonig, der von vielen Honigliebhaber so geschätzt wird.

Was ist ein Trachtenhonig? Hierunter versteht man den Honig, der ausschließlich aus den Blüten einer einzelnen Pflanze gewonnen wird. In Frage kommen hier etwa der Lindenblütenhonig, der Rapsblütenhonig oder der Rapshonig. Sie sind unterschiedlich in Farbe, Festigkeit, Geschmack und sogar geringfügig der Eigenschaften. Der Grund ist schnell erklärt: Die Eigenschaften etwa der Lindenblüten werden auf den Honig übertragen. Somit ergibt sich ein wunderbarer, ganz spezieller Honig, der über „besondere“ Eigenschaften und auch einen besonderen Geschmack verfügt. Es ist verständlich, dass ein ein wenig teurer ist als der Mischhonig.

Grundsätzlich ist die endgültige Zusammensetzung des Honigs regional bedingt und zudem von dem Anteil der unterschiedlichen Pflanzen / Blüten abhängig.

Bienenwachs

Der Bienenwachs wird von den Arbeitsbienen produziert. Auch der Wachs wird für diverse Anwendungen verwendet. Dazu muss er aus den Waben herausgeschmolzen werden. Frisch produziertes Bienenwachs ist weiß. Daran erkennt der Imker auch die „neuen“ Waben. Erst durch die Nutzung zur Aufzucht der Larven oder der Honiglagerung erhält der Wachs seine bekannte, gelbe Farbe.

Bereits in der frühen Antike wurde das Bienenwachs genutzt. Über die Jahrtausende hat sich die Art der Nutzung immer weiter entwickelt, vom Siegel- und Schreibwachs, über die Nutzung als Kerzenwachs, in der Pharmazie, Kosmetik und sogar bis zur Nutzung in der Lebensmittelindustrie.

Bienengift

Das Bienengift wird als Therapeutikum verwendet. Insbesondere in der Rheumatherapie kommt es zum Einsatz.

Blütenpollen

Bestimmt haben Sie schon einmal eine Biene mit gelben Pollenhöschen gesehen. Sie bringen diese Pollen in den Bienenstock ein. Sie stellen die Eiweißnahrung des Bienenvolkes dar.

Gelee Royal

Dieses Produkt der Bienen wird ebenfalls von den Arbeiterbienen produziert. Es wird als Nahrung für die Königin und der Jungbienen verwendet. Allerdings hat man international die wunderbare Wirkung des Gelee Royal nachweisen können. Es kommt in der Apitherapie wie auch der Kosmetik in großen Mengen zur Anwendung.

Propolis

Genau genommen handelt es sich hierbei um Kittharz, mit dem die Waben, ja bei wilden Völkern der gesamte Bienenstock erbaut wird.

Propolis wird vielseitig eingesetzt: Kosmetik, Pharmaindustrie. Propolis hat unter anderem eine antimikrobielle Wirkung, sodass die Apitherapie sich als das Haupteinsatzgebiet herausstellt.

Bestäubung der Pflanzen

Wir alle wissen, dass die Bienen eine ganz große Leistung für die Welt erbringen, nämlich das Bestäuben aller Pflanzen. Zum Glück machen die Bienen in Bezug auf die Pflanzen keine großen Unterschiede. Landwirtschaftliche Pflanzen, Obstgehölze, alle Zier-, Gewürz- und Heilpflanzen, die im Garten zu finden sind, wie auch sämtliche Wildpflanzen, die auf der Wiese, im Wald und auf dem Feld zu finden sind, werden bestäubt. Auch wenn es eigentlich unverständlich ist, wird dies als der indirekte Nutzen der Bienen bezeichnet. Aufgrund der Wichtigkeit des Bestäubens aller Pflanzen der Welt ist es wichtig, alle Bienenvölker der Welt zu hegen und zu pflegen. Eine Aufgabe, die vom Imker übernommen wird.

Wie funktioniert das mit dem Bestäuben eigentlich? Es gibt vermutlich nur wenig Menschen, die sich intensiv mit dieser Aufgabe der Bienen befassen und dadurch wissen, wie wichtig die Bienenwirtschaft für den Erhalt der Natur und damit für die Versorgung der Menschen und Tiere letztendlich ist.

Bienenzucht und Wildbienen

Die Wichtigkeit der Bienen, egal ob Zuchtvölker oder Wildvölker, ist bekannt. Doch wie kommen sie eigentlich zu den unterschiedlichen Einsatzorten? Jeder Imker hat eine bestimmte Anzahl Bienenvölker, die er im Laufe der Vegetationsperiode an verschiedenen Standorten abstellt. Auf diese Weise kommen auch die unterschiedlichen Trachtenhonigsorten zustande. Doch gibt es auch eine andere Option. Da die Anzahl der Imker sinkt, die Zahl der Bienenvölker weltweit aber stabil bleiben sollte, besteht etwa für Obstplantagen, auf Grassamenanbau sowie der Saaterzeugung im Allgemeinen Bienenvölker zu mieten. Ja, die Bienen werden oftmals sogar über weite Strecken zu ihren Einsatzorten gefahren. Dort verbleiben sie während der gesamten Blütedauer und werden zum Abschluss wieder abgeholt und zum nächsten Einsatzort verbracht.

Für Privatpersonen gibt es diese Option im kleinen Stil ebenfalls. So kann auch der Privatmann seinen kleinen Beitrag zum Erhalt der Bienen und zum Bestäuben der Pflanzen leisten.

Es gibt bereits Staaten, in denen die Imker mehr Einkommen mit dem Bestäuben der Pflanzen als mit der Produktion von Honig und den anderen Bienenprodukten erzielen können, etwa in Kanada.

Fazit

Die Bienenprodukte sind wichtig für den Menschen, insbesondere im pharmakologischen Bereich. Ebenso wichtig sind die Bestäubungsdienste der Bienen, rund um den Globus! Nicht jeder kann sich dem Imkern als Hobby oder gar als Hauptberuf stellen. Doch kann man, wie man sieht, auch im kleinen Rahmen seinen Beitrag leisten. Die Bienenvölker werden in ihrer Zahl wieder ansteigen. Wir finden sie sogar vermehrt auf den Dächern der Hochhäuser in Großstädten, überall auf der Welt.  Ja, richtig – so lästig auch diese Insekten manchmal sein können, der positive Effekt, den sie auf die Welt und im Bereich der Kosmetik- und Pharmaindustrie haben, ist sehr groß und überhaupt nicht mehr wegzudenken.